Nimms leicht, Segelfliegen auf die Ultraleichte Art

Ultraleichter Segelflug...., was ist das denn nun schon wieder, werden sich jetzt konservative, Gleitzahl haschende, Segelflieger fragen. Dabei ist diese Luftsportsparte gar nicht mehr so jung, ist aber aus dem Insider und Selbstbauer da sein um z. B. dem legendären ULF nie recht herausgewachsen. Dies kann sich mit neuen Flugzeugen, wie dem preiswerten Ultraleichtsegler Banjo, grundlegend ändern.

Was dran ist am Ultraleicht Segelflug wollte der Autor ergründen, hier seine Eindrücke.

Zur Zeit fordern die Bauvorschriften für Ultraleicht Segler eine Mindestfluggeschwindigkeit von 50 km/h und ein max. Rüstgewicht von 120 kg. Damit schließt diese Spezies die Lücke zwischen den Hängegleitern die ihren Leistungszenith im Achreopterix erleben und den Segelflugzeugen entsprechender Bauvorschrift. Sollte, wie ein dem LBA gerade vorliegender Entwurf es vorsieht, die geforderte Minimalgeschwindigkeit auf 58 km/h angehoben werden gäbe es bald eine erfreuliche Typenvielfalt. Wesentliche Argumente für die Ultraleichten Segler sind die nahezu ausschließliche Regelung durch den Deutschen Ultraleichtsegelflug Verband im DAeC, die Möglichkeit des wieder preiswerten Segelfluges, kein Flugplatzzwang, keine Medical Erneuerung  und eine Lizenz auf Lebenszeit ohne Mindeststartzahlen.

Banjo Fliegen:

Ein Fauxpas ist aber der nötige Erwerb eines SPL-F für Gleitflugzeuge ausgestellt durch den Deutschen Ultraleicht Segelflugverband (DULSV) über den DAeC, auch für PPL-C Inhaber . Nach der derzeitigen Ausbildungsordnung sind für den PPL-C Inhaber eine theoretische und praktische Einweisung  mit 3 Starts zum Nachweis der sicheren Beherrschung des UL-Seglers erforderlich. SPL-F Motorflieger haben neben der sicheren Beherrschung noch 5 Flüge von je mindestens 30 Minuten auf dem UL-Segler nachzuweisen.  Für Fußgänger fordert die Ausbildungsordnung mindestens 20 Starts und 10 Stunden Alleinflug neben der mindestens 45 stündigen theoretischen Ausbildung in 5 Fächern.

 

Eine der noch wenigen gewerblichen UL-Flugschulen die eine Ausbildung auf einem Banjo  anbieten ist die Ultraleichtflugschule Jura-Air in Greding (ca. 50 km südlich von Nürnberg).  Auf dem Weg mit dem Reisemobil gen Süden in den Urlaub, war mit Peter Unterburger , dem Inhaber von Jura-Air, ein Termin für einen Zwischenstopp am Standort Waizenhofen, der inzwischen komplett  nach Greding verlegt wurde, schnell vereinbart. Die herrschende Windrichtung zum Termin erforderte immer schon mal ein ausweichen auf den Segelflugplatz der Luftsportler in Greding, so auch zu unserem Termin, ansonsten präsentierte sich der gerade begonnene Herbst mit einem Bilderbuch Tag.  In Greding wurden auch die 2 Überprüfungsstarts von Segelfluglehrer Andreas Bauer in der ASK-13 des Vereins abgenommen. Überhaupt herrscht hier ein herzliches Verhältnis zwischen den "normalen" und den Ultraleichten Segelfliegern.

Zu den 3 Überprüfungsstarts stehen der Banjo und eine Kappa für den F-Schlepp zur Verfügung, ein Windenstart ist mit dem Banjo in der derzeitigen Bauausführung nicht möglich.

Die theoretische Einweisung entspricht mehr oder weniger einer Typeneinweisung für einen PPL-C Piloten, allerdings, ohne SPL-F wäre noch eine pyrotechnische Einweisung samt Prüfung für das Rettungssystem erforderlich, ich fass es nicht....

Der UL-Segler Banjo folgt in seiner Konstruktion Konsequent den Anforderungen an die Leichtbausegler. Der Banjo bringt in der Grundausstattung nicht einmal 105 kg. auf die Waage, mit Rettungssystem werden es ca. 112 kg.. Die Zuladung beträgt bei max. 210 kg. Startmasse nahezu üppige 100 kg und wohlgemerkt, einen Rettungsschirm brauchts nicht mehr im Cockpit.

Ein Polyester GFK-Rumpf mit T-Leitwerk, wie aus dem Modellbau bekannt in der Form  bereits Weiß eingefärbt und mit, weil deutlich sichtbar,  Klebeband überdeckter Naht.  Ein Blick in den Leitwerksträger erinnert ebenfalls an einen Modell-Großsegler. Die Flächen und das Leitwerk des abgestrebten Hochdeckers sind in klassischer Holzbauweise gefertigt. Auch hier Modellbautypisch die als D-Box ausgeführte geschlossene Torsionsnase. Die Rippen entsprechen hinter dem Holm einem klassischen Leistenaufbau, in der Nase sind sie aus Schaummaterial. Auch die einfachen Landeklappen die mittels Zugseil betätigt werden sehen aus wie aus dem Graupner Modellbaukatalog geklaut, Leichtbau eben. Ein Transportanhänger wird z.Z. noch nicht angeboten, die Bolzensicherung der Flächenstreben mittels selbstsichernder Muttern ist auch nicht gerade Ab- und Aufrüstfreundlich. Dafür lässt sich das Leichtgewicht mit einer Elektrowinde aus dem nächsten Baumarkt wohl unter jede Hallendecke ziehen. Das Cockpit des lediglich 13,3m spannenden Banjo wirkt, um es positiv zu formulieren, sehr aufgeräumt, neben dem Fahrtmesser und Kompass stehen im dem Banjo von FLC lediglich noch ein elektronisches Equipment für die Höhen- und Varioinformation als Luxuszugabe zur Verfügung, mehr brauchts aber auch nicht. Fliegen heißt doch wohl auch raus und nicht auf irgendwelchen Endanflugrechner zu schielen.

Ein Rettungsschirm für den Piloten entfällt, der FLC Banjo hat ja ein montiertes Rettungssystem, analog den motorisierten UL's.  Die komfortabel gepolsterte Sitzschale ist hinlänglich verstellbar und für Piloten von 1,6- 1,9m gut anpassbar. Eine Pedalverstellung fehlt dafür gänzlich, die ist aber auch nicht nötig , in meiner SB5e könnte ich mich nicht wohler fühlen, das SB5 Cockpit ist dabei deutlich schlanker.

Also Haube zu, die ist übrigens nicht gezogen sondern eine preiswerte und leichte Acrylglas Abwicklung auf einem Aluminium Rahmen, und den Start Check absolviert.

 

Worum es geht, das Fliegen.

Mit der sehr gut dosierbaren Radbremse die über einen Bremsgriff am Knüppel bedient wird ist ein sicheres Straffen des F-Schlepp Seils ohne Überrollgefahr möglich. Bis bei Dauerlauftempo die Querruderwirkung da ist, hoppelt der Banjo einigermaßen unkoordiniert ganz unter der Kontrolle des Flächenmanns hinter der Kappa hinterher. Sekunden später zeigt der Fahrtmesser knapp 50 km/h und der Banjo will in die Luft. Mit über 2,5m/Sek. geht es auf 300m. Schon während des F-Schlepp wird die geringe Masse deutlich, kleinste Luftbewegungen werden deutlich wahrgenommen. Nach dem Auskuppeln trimme ich den Banjo auf 65 km/h. Die letzte September Samstag bietet gerade vorzügliche Bedingungen für den Banjo, ein leichter Westwind und noch etwas Blauthermik. Das unkompensierte Vario wird bald stumm geschaltet. Im Banjo sind kleinste Aufwinde deutlich im Hinterteil spürbar, lange bevor das Vario sich muckt. Mit 55-60 km/h lässt sich mit dem Fliegerle, schier auf der Flächenspitze, der kleinste Bart auszirkeln, na ja, bei ca. 70 km/h gibt es wenigstens ein bisschen Ruderdruck. Der seitliche Blick auf die Flächenstrebe erinnert dabei an ein Motor UL, nervig ist nur der exzentrisch aufgehangene Knüppel der immer nach links fällt.  Erst die Erinnerung durch Peter Unterburger von Jura-Air das wir noch 2 Starts vor uns haben erinnert mich das ich ja das erste mal im Banjo sitze. Also Nase nach unten, und, da bleibt diese auch deutlich wenn man mit 100 km/h, der Manövergeschwindigkeit, vorfliegen will. So Thermikgeil sich der Banjo zeigte so verhalten ist sein Vorwärtsdrang. Ein Vorflug mit 120 km/h erinnert , optisch, ans Raumschiff Orion und das Kommando "Rücksturz zur Erde", die 2,5m Sek. Sinken/Sek. sind aber immer noch besser wie das einer Ka8. Sein bestes Gleiten hat der leichte Flieger schließlich auch bei gerade einmal 70 km/h mit dann aber einer erstaunlichen Gleitzahl von 29. 80-90 km/h sind eher die Vernunftwerte fürs Vorkommen. Zur Landung sind 70-80 km/h die richtige Wahl. Nach dem Abfangen sollten noch max. 60 km/h anliegen, der Banjo gleitet im Bodeneffekt schier endlos, die Klappenwirkung ist eher bescheiden.  Dafür ist der Banjo am Boden leicht manövrierbar, seitliches Rausrollen und koordiniertes Bremsen, was nötig ist, damit er nicht auf die Nase geht sind leicht zu Händeln. Dank Spornrad und der Hochdeckerkonstruktion ist das zurückschieben an den Start auch durch eine Person problemlos. Beim Anschleppen zum dritten F-Schlepp Start legt der leichte Banjo eine Fläche ab, die Richtung ist aber tadellos zu halten und die Fläche ist auch gleich wieder frei. Jetzt ist etwas Zeit, Rollübungen sind gut zu koordinieren, bei einer hochgezogenen Fahrtkuve (aus 110 km/h) wird die durch die geringe Masse beschränkte Dynamik deutlich. Den Segelflieger stört die dynamische Einschränkung, es gilt aber die Betriebsgrenzen einzuhalten. Das Handbuch macht unmissverständlich auf die max. + 4 g und max. 60° Querneigung im Kurvenflug aufmerksam. Für einen wirklich effektiven Slip könnte die Seitenruderwirkung besser sein um die Richtung halten zu können. Hungert man den Banjo aus so kündigt er knapp unter 50 km/h mit einem leichten Schütteln den nahenden Abriss frühzeitig an.  Nein, ein totales Aushungern und wohlmögliches Trudeln habe ich nicht provoziert, Knüppel wieder in Normallage und der Banjo geht sauber auf die Nase um Fahrt aufzunehmen.  Eine Ultraleicht F-Schlepp Ausbildung bietet dem Autor Gelegenheit zu weiteren Starts mit dem Leichtgewicht. Ein Windenstart des lediglich mit einer Bugkupplung ausgestatten Banjos ist (zur Zeit) nicht zulässig, ein UL oder Trike mit Haken Voraussetzung. Bei der nun geringen Abend Thermik bei der ohnehin nicht ans Streckenfliegen zu denken ist, ist der Banjo ein wahres Vergnügen, die letzen Bärtchen werden mitgenommen, Flugvergnügen pur, ganz ohne Hatz nach einer neuen Rekordstrecke. Nicht das ich den Banjo zum Platzadler abstempeln möchte, bei entsprechenden Wetterlagen dürften 500km durchaus möglich sein, doch ist seine Stärke eher das  Segelflugvergnügen mit bescheidenem regionalem Luftraumanspruch.

 

Mein Fazit.

Im Prinzip, alles schon mal da gewesen, wer als Segelflieger noch auf eine Ka 8 oder gar einen Spatz zugreifen kann, der braucht sicher keinen Banjo. Das PPL-C Piloten einen SPL-F Gleitflugzeug Papier erwerben müssen dürfte die Verkaufszahlen des ansonsten sehr preiswerten Flieger einschränken, ist aber kein wirklich Hindernis da an einem Tag , z.B. bei Jura-Air, erledigt. Ganz nebenbei gilt der UL-Segelflugschein ja lebenslang ohne zu wiederholendes Medical oder eine Mindeststartzahl in einem Zeitfenster. Eine tolle Sache für den Gelegenheitspiloten der sich im Cockpit entspannen möchte; dem kommt auch das einfache Handling des Banjo entgegen. Einen preiswerten Segelflugsitzplatz bietet der Banjo in jedem Fall, mit seinen ca. 13.000 EUR Finanzaufwand könnte er auch eine prima Alternative zum nächsten Großmodell sein.

Wie auch immer, es gibt  Hoffnung das mit dem Banjo auch einige UL-Flieger sich der Faszination des Fluges ohne Motor bald nicht mehr verschließen können. Wer nicht ganz auf den Motor verzichten möchte der kommt seit neuestem auch via Eigenstart in die Luft und kann zudem die Gleitzahlschwäche wenn nötig mittels Petrolthermik zur nächsten Wolke überbrücken.

Ralf Heinisch  

 

Nachtrag: 

Inzwischen (2009) sind die Bauvorschriften überarbeitet, die zulässige Mindestgeschwindigkeit liegt jetzt bei 55 km/h und

der Banjo startet nun mit einer Bodenkupplung ausgerüstet auch an der Winde.

 

 

Kontakt Adressen:  

 

Deutscher Ultraleicht Segelflugverband (Mitglied im DAeC)

Deutscher Ultraleicht-Segelflugverband e.V.
In der Breite 27
78354 Sipplingen

Email: dulsv@web.de

Telefon: +49 (0)7551 - 945-220

www.dulsv.de

 

Musterbetreuer des Banjo

Firma Cumulus
Am See 65
24790 SCHÜLLDORF
Tel.: 04331-92419  

 www.ul-segelflugzeuge.de

 

besuchte Flugschule:

Ultraleichtflugschule JURA-Air

Peter Unterburger

Jakob-Engel-Str. 24

91171 Greding

Tel. 08463 60084

http://www.jura-air.de